Eine zweite Währungsdimension

Wir leben mit Kapitalismus – Manche mehr, manche weniger. Soviel ist schonmal Sicher. Im selben Zug stehen wir vor Herausforderungen, bei denen Fraglich ist, in wie fern unser aktuell gewähltes Wirtsschaftssystem diesen gewachsen ist (oder noch schärfer) eventuell gar überholt und revisionsbedürftig ist.

Zugegeben: der Kapitalismus, wenn auch nicht in seiner Reinform, brachte uns Wohlstand, eine höhere Lebensqualität und bessere Chancen. Diese Liste an Vorteilen ist nicht komplett. Doch hat uns der Kapitalismus noch weit mehr beschert: Autos, die 400 fahren, Fast Fashion, geplante Obszolezenz. Das Schwert ist zweischneidig. Wenn in den Anfängen des (Neo)Kapitalismus vermutlich noch die Vorteile überwogen haben und dieses System eine komplexe Aufgabe der Vergangenheit erfüllen musste (eine exponentielle und stabile Verbesserung des Lebensstandards) mögen heute andere Themen wichtiger sein (Das stoppen der Ausbeutung unseres Planeten). Dieser Artikel stellt ein Postulat dar, dass der Kapitalismus ein System war, welches in unserer Geschichte zeitweise eingesetzt werden musste, damit wir rasch auf einen angebrachten Lebens (Wissenschafts) standard kommen. Dafür war der Kapitalismus gut, dafür ist der Kapitalsimus gut. Doch ab einem gewissen Lebensstandard bringt uns eine weitere Erhöhung auch nicht weiter.

Das System aber, das möchte sich selbst am Leben halten. Es werden Märkte erschlössen, die es garnicht gibt, Abfrage herbeimanipuliert, wo naturgemäß keine Abfrage vorherrscht und Lebensdauern künstlich verkürzt um den Neukauf zu beschleunigen. Doch macht uns das wirklich glücklich? Oder Leben wir nur in einem System, welches seinen Dienst getant hat, sich nun am Tropf der Manipulationen versucht am Leben zu halten, aber eigentlich längst runderneuert werden müsste. Das System will sich nicht verändern. Es will Bestand haben. Das aber geht nicht mehr auf natürliche Weise. Das System aber braucht Konsum. Und die Leute sollen konsumieren wollen. Denn das ist, der der aus uns einstigen Bürgern geworden ist: Konsumenten.

Doch der Fortschritt der letzten Jahre ist nur in wenigen Bereichen wirklich relevant. Mittlerweile sind in einem Großteil der Bereiche keine wirklichen Fortschritte mehr möglich: Man nehme die Ausstattung eines KfZ. Parkdistanz Sensoren, Abstandshalter, Spurhalteassistenten. Natürlich sind die Verkehrstote in den letzten Jahren auch dadurch zurückgegangen. Aber hätte es eventuell andere Maßnahmen oder Errungenschaften gegeben, welche zu noch weniger unnötigen Verkehrstoten führt? Wer sagt, dass unser Weg der Innovationen der richtige ist? Sind Parkdistanz Sensoren nicht eigentlich nur Schnick-Schnack und die Automobilindustrie schafft seit 15 Jahren keine wirklich relevante Innovation mehr? Eventuell ist das optimierungspotential eines KfZ schon so gut wie ausgeschöpftf. Sollten wir da die Innovaitonskraft Mensch nicht lieber auf die Entwicklung von wesentlich relevanteren Technologien lenken. Die 378 Millarden starke Automobilindustrie-Goliath erschlägt mit Leichtigkeit das Gesamtbudget von ITER-David mit seinen geplanten 18-22 Millarden.

Lang lebe unser deutsches Rettungsboot: das Auto! So viel Umsatz jedes Jahr und doch purzeln hinten nur noch mehr Comfort-Assistenten und unbrauchbaren Scheininnovationen heraus. Ist es nicht wichtiger und gleichzeitig motivierender Innovationen dort zu treiben, wo sie notwendig sind und nicht dort zu verankern, wo sie gestern notwendig waren? Wir haben doch genug Probleme die auf eine Lösung warten. Wo bleibt da die Verantwortung der Gewinner von gestern. Denn wenn wir an dem alten System, was uns so lange treu gedient hat und seinen Zweck erfüllen durfte, werden die Gewinner von Gestern die Verlierer von morgen sein. Wenn wir es uns erlauben können das Auto totzuoptimieren dann vergessen wir den Blick auf das zu richten, was wirklich gelöst werden muss.

Hierzu gibt es verschiedene politische und nichtpolitische Lager. Die Immergleichen Neoliberalen, welche bei den Worten „der Markt regelt das“ stolz in den Himmel schauen und sich den Orgasmus vor Selbstsicherheit und Übermut kaum vorenthalten können, haben aber eventuell doch in einem kleinen Aspekt doch recht: „Der Markt“ ist wie auch Kapitalismus und Demokratie ist ein System. Und ebendies müssen wir anpassen. Während die alte (zwar neuerscheinende Ansicht) des Neoliberalismus es ist das System des Marktes immer weitere Freiheiten zuzuschreiben, möchte das eher weniger liberale Lager der Linken mehr regulierungen in diesem System – Ich halte beide Ansichten für Falsch. Beide Versuchen das bestehende System zu manipulieren. Beide haben das selbe Ziel: Mehr Nachhaltigkeit, besser Chancengleichheit etc. Das was sich alle parteien auf die Fahne schreiben: Alle haben damit Recht. Doch alle werden scheitern.

Wenn jemand ein System, welches dafür geschaffen ist, Wohlstand schnell und exponentiell herzustellen, manipulieren und lenken möchte um bestimmte Parameter zu steuern, wird immer andere Parameter in dem System mitverändern. Alles ist miteinander verbunden – Ändern wir den Mindestlohn, werden diese Änderungen zu weitreichenden Veränderungen nicht nur beim Mindestlohn führen: Arbeitslosigkeit, BIP, Wohlstand, Chancengleichheit und vieles Weitere. Diese Gesamtheit aller mitlaufenden Veränderungen wird immer heiß diskutiert, denn wir wollen ja Veränderungen durchführen, die summa summarum positiv für die Menschen sind.

Dort schließt sich der Kreis: Wir sollten das bevorzugen, was gut für die Menschen ist. Damals war es tatsächlich der Kapitalismus. Heutzutage dient der Kapitalismus aber nicht mehr den Menschen, sondern nur noch wenigen einzelnen. Zu diesen einigen wenigen, die „es geschafft haben“, schauen wir immerzu hoch und vergöttern sie gar. Ein Steve Jobs, Bill Gates, Daimler, Siemens. Alle haben erfolgreich damals an wahrer Innovation mitgearbeitet. Es wurden Visionen in die Tat umgesetzt. Heutzutage sind es die Aktionäre, die immer wieder nach mehr Gewinnen schreien und das auch notfalls unter Ausbeutung der Menschen. Die Politik versucht gegenzuhalten. Zumindest haben wir den Mindestlohn, der aber leider den Gewinn der Aktionäre schmälert. Aber er (der Mindestlohn) stellt eine Manipulation des Systems dar.

Doch dieses System sollten wir garnicht versuchen zu manipulieren, denn es widerstrebt sich der Manipulaiton in dem jegliche Anpassung an einzelparametern eine undurchschaubare Menge an mitlaufenden Veränderungen bringt. Da bleibt am Ende nur noch ein Ausweg: Wir brauchen ein System, welches auf die Herausforderungen der heutigen Zeit abgestimmt ist und zugleich wieder den Menschen dienlich ist. Ein System, welches tatsächlich freigelassen werden kann, möglchst wenig manipuliert werden muss und dennoch uns allen dient. Wir brauchen ein System, welches nicht zu instabilität neigt und – wenn freigelassen – zu einer Gesellschaftsspaltung, Resignation Erdballzerstörung strebt. Wir sollten ein System schaffen in welchem die Werte „Gleichheit der Chancen“, „Fairness“, „Innovaiton“  inhärent sind.

Das sind hohe Ziele – immerhin sprechen wir hierbei immer über komplexe Systeme – dennoch möchte ich einmal den Rahmen abstecken, wie an die Neuerschaffung eines komplexen Systems unserer Wirtschaft heranzugehen ist.

Zuerst einmal benötigen wir eine Vision. Diese sind naturgemäß immer reißerishc und sollen motivieren, manchmal sind sie aber auch etwas übertrieben. Ich würde die Vision aus dreit Teilen stricken: Wir wollen unseren Planeten heilen. Wir wollen dass die Menschen glücklich und umsorgt sind. Und wir wollen Frieden. Alleine diese Vision ist ausreichend um damit den Kapitalismus aus den Angeln zu heben: Denn wir heilen den Planeten nicht. Trotzdem kommen die Ewiggestrigen und entgegnen wie immer selbstsicher mit ihrem überholten Stigma: „Der Markt regelt das!“ Wir müssten ihn ja nur genug freilassen. Doch das sind Stimmen einer veralteten und überholten Strategie.

Wir brauchen diesen neuen Weg. Ich mache einen stümperhaften Vorschlag, welcher in diesem Artikel noch zu viele Details auslässt und noch nicht alle Grundmechanismen ausreichend transparent macht, aber in den auf diesen Artikel folgenden, weitere Gedanken finden soll: Ein Mehrebenen-Kapitalismus (Ja, nicht alles im Kapitalismus ist schlecht). Ein wenig hintergrund zu diesem Gedanken: Der aktuelle Kapitalismus ist sehr gut darin Wert zu erzeugen und dies unverhältnismäßig hoch bei den Besitzern der Wertmaschine zu akkumulieren. Wir haben aber nur eine Wertdimension, nämlich die des Wertes selber. In Europa nenne wir das Euro, in den USA ist es der Dollar. Die Währung stellt „Wert“ in seiner abstraktesten Form dar. Doch dies ist viel zu abstrakt. Es muss spezifischer werden (und wer mich kennt: dass etwas spezifischer werden muss, sind seltene Worte aus meinem Mund)!

Der Europäische Emmissionshandel hat es vorgemacht (wenn auch schlecht). Die Idee war aber gut, wir sollten also etwas weiterdenken (Wenn die kleine Eva, aus Prenzlauer Berg, in ihren kleinen Öko-Filz-Schlappen bei der Ballettaufführung einmal kurz ausrutscht, weil die kleinen Scheiß Schlappen zu rutshcig sind, wird sie auch nicht ausgebuht. Geben wir unserer kleinen Eva (Europäischer Emmissionshandel) also auc hnoch eine kleine Chance und ermutigen Sie und bauen Sie auf. Warum haben Produkte nur einen Preis? Warum haben Sie nicht zwei Preise gleichzeitig?

Gehen wir mal ein Beispiel durch: Persil Universal Waschmittel für 100 Wäschen kostet momentan knapp 13€ im Angebot. Um diese knapp 13€ zu bekommen muss man für gewöhnlich Arbeiten gehen. Somit stelle ich sicher, dass die Leute, die Produkte konsumieren auch an anderer Stelle den selben Wert erschaffen haben. Der Arbeitnehmer schafft also Wert, wird dafür bezahlt (Fairness sei in diesem Punk unberücksichtigt) und kann sich heute oder später Waschmittel für 13€ kaufen. Dass dieses Waschmittel eventuell der Erde entrissen wurde und nicht recycelt wird, bleibt in diesem System unberücksichtigt.

Nun führen wir eine zweite Währung ein, nennen wir Sie charakterlos: Credit. Das Waschmittel kostet nun nicht mehr 13 Euro, sondern 10 Euro und 3 Credits. Die 10 Euro stellen den Arbeitsaufwand dar. Die 3 Credits stellen den Ökologischen Aufwand dar. Die 10 Euro kommen als abstrakte Repräsentation der Arbeitsmenge von den Zentralbanken. Die 3 Credits können in diesem Fall genutzt werden um den ökologischen Aufwand unserer Erde zu repräsentieren. Doch wie kommt man als Einzelperson an Credits? Damit diese ausgezahlt werden können, müssen folglich die Unternehmen Zugang zu der Währung Credits bekommen. Euro wird von der Zentralbank herausgegeben und gesteuert. Die Zentralbanken könnten folglich auch gleichzeitig die Währung Credits herausgeben.

Nehmen wir an, ich möchte Braunkohle abbauen. Für den Abbau müsste ich einen bestimmten Credits Betrag an die Organisation Erde (nennen wir sie kurz OE) bezahlen. Für nachhaltige Tätigkeiten würde ich von der OE bezahlt – in Credits. Für die nicht nachhaltigen Tätigkeiten könnte ich mir als Unternehmen bei der Zentralbank Credits leihen und an die OE zahlen. Meinen Mitarbeitern müsste ich ebenfalls in Credits bezahlen. Ebenfalls etwas, was von der Zentralbank als Kredit an die Unternehmen herausgegeben werden. Oder ich entscheide mich als Unternehmen gute Dinge für die Erde zu tun, dafür von der OE in Credits bezahlt werden und so eine andere Quelle für Credits nutzen. Tue ich das nicht, müsste mein Unternehen zusätzlich die Credits-Zinsen an die Bank zahlen. Alle Credits Kredite (welche die Ausbeutung unserer Erde widerspiegeln) müssen aber irgendwann abgelöst werden. Irgendwo an anderer Stelle der Erde müsste also etwas positives für die Erde gemacht werden. Der Wert der nachhaltigen Tätigkeiten würde auch hier der Markt bestimmen: Sind es einfache oder viel Verfügbare Tätigkeiten mit geringen positiven Effekten werden weniger teuer mit Credits vergütet. Effektive und sinnvolle Effekte werden entsprechend teurer bezahlt. Es wird damit gewährleistet, dass die Ausbeutung an der einen Stelle mit tatsächlich effektiven und relevanten Effekten auf der anderen Seite ausgeglichen werden. Entsprechend würde es immer teurer werden, Braunkohle abzubauen, je weniger Braunkohle es gibt.

Ebenso kann ich mich als Mensch dazu entscheiden für ein Nachhaltiges Unternehmen zu arbeiten und verstärkt in Credits bezahlt werde oder für ein weniger nachhaltiges Unternehmen arbeite und dafür verstätkr in Euro bezahlt werde. Unter dem Strich bleibt aber, dass alle Netto-ausbeuterischen Tätigkeiten durch die Schulden in Credits repräsentiert werden, welche von den Zentralbanken ausgegeben wurde. Die Laufzeit und Höhe dieser Kredite beschreibt die Dauer und Stärke der Erde im Ausbeutungszustand. Diese Schulden müssten irgendwann ausgeglichen werden. Die nicht nachhaltigen Unternehmen könnten diese Schulden ausgleichen, indem Sie für ihre Produkte nicht nur Euro, sondern auch Credits verlangt. Braunkohle wäre entsprechend Credit-teuer. Der Fluss von Credits läuft über die Preise in den unterschiedlichen Dimensionen. Eine Nettoausbeutung der Erde wäre demnach zumindest theoretisch und auf dieser abstrakten Ebene ausgeschlossen.

Relevante und wichtige Innovationen könnten durch günstige Vergabe von Credits unterstützt werden, oder sogar von der OE bezahlt werden. Nehmen wir als Beispiel wieder die Erforschung der Verwendbarkeit der Fusionsenergie. Diese würde das potential bieten Energieerzeugung durch Braunkohle, Steinkohle und Atomenergie inklusive Endlager abzulösen. Der positive Effekt auf unsere Umwelt ist unstrittig, daher sollte dieses Vorhaben großzügig von der OE bezahlbar sein. Somit werden relevante und nachhaltige Tätigkeiten einfach finanzierbar. Das David gegen Goliath Szenario würde sich direkt umdrehen. Das Credits-Budget von ITER währe hundertemale größer als das der unnachhaltigen Automobilbranche. Diese müsste sich nun deutlich mehr anstrengen effizientere Motoren zu bauen, wodurch wiederum ein Teil des Creditbedarfs der Autobauer gedeckt werden könnte.

Nach dem lesen dieses Vorschlags schlagen Buchhalter nun vermutlich vor Schmerz und Angst die Arme über den Kopf zusammen. Macht das aus der doppelten Buchführung bei eindimensionalen Wertsysteme dann die quadratische Buchführung für zweidimensionale Wertesysteme? Um Himmels willen!

Doch ein ernsthaftes Problem hat dieser Vorschlag: Die OE hätte ein Monopol auf die Welt. Das klingt beängstigend und riecht jetzt schon nach einem Nährboden für Korrupion. Dieses Problem wird aber nicht in diesem Artikel gelöst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.